Der zu späte Spiegel (wer kennt den?)
- khoffmann1
- 11. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Es gab einen Mann in meinem Team. Nennen wir ihn Thomas.
Thomas war intelligent. Erfahren. Auf dem Papier genau der Richtige für die Rolle. Aber irgendetwas stimmte nicht.
Nicht dramatisch. Nicht offensichtlich. Einfach – nicht ganz richtig. Die Ergebnisse blieben unter den Erwartungen. Die Energie im Team veränderte sich, wenn er im Raum war. Kleine Signale, die ich sah – und bewusst nicht sehen wollte und einfach ignorierte.
Ich wartete.
Nicht weil ich die Situation nicht kannte. Sondern weil ich hoffte. Ich redete mit Thomas, klar, direkt und er verstand – dachte ich zumindest. Ich gab ihm Zeit und weiteres Feedback. Ich gab ihm Chancen. Und jedes Mal, wenn ich kurz davor war, die wirklich unbequeme Entscheidung zu treffen, fand ich einen Grund zu warten.
Er hat gerade ein schwieriges Quartal. Das Projekt ist fast fertig. Vielleicht liegt es auch an den Rahmenbedingungen. Im Moment ist ein schlechter Zeitpunkt. Er zeigt ja guten Willen.
Die Wahrheit?
Ich wusste es vom ersten Tag an. Er hatte nie wirklich eine Chance, da ich auf seine Fehler achtete. Andererseits wollte ich mir nicht eingestehen, eine Fehlentscheidung mit seiner Einstellung getroffen zu haben.
Monate später kündigte ich Thomas. Zu spät. Viel zu spät.
Was in dieser Zeit passiert war, ließ sich nicht mehr rückgängig machen. Das Team hatte gelitten – still, aber spürbar. Andere Leistungsträger hatten beobachtet, dass Konsequenz bei uns ein dehnbarer Begriff war. Und Thomas selbst hatte Monate in einer Rolle verbracht, in der er nie wirklich ankommen konnte. Ich hatte ihm keinen Gefallen getan. Ich hatte uns allen keinen Gefallen getan.
Was ich damals brauchte, war jemand der mich fragt:
„Klaus – was weißt du bereits, das du noch nicht ausgesprochen hast?" Nur diese eine Frage. Ich hätte sie nicht gemocht und den Fragesteller in dem Moment wahrscheinlich gehaßt. Ich hätte wahrscheinlich erst abgewehrt und einen Grund gefunden / erfunden zu warten. Aber irgendwann wäre die Antwort gekommen, die ich längst kannte.
Das ist das Tückische an der Einsamkeit an der Spitze.
Nicht dass man keine Informationen hat und nicht denken kann, sondern dass man niemanden hat, der einen zwingt, das auszusprechen, was man bereits weiß. Der Kollege schweigt, weil er die Hierarchie spürt. Der Gesellschafter will Ergebnisse, keine Zweifel. Der Coach nickt und spiegelt – aber er war nie in dieser Situation. Er weiß nicht, wie schwer diese Entscheidung ist oder sich anfühlt. Wie man nachts aufwacht und sich fragt, ob man fair ist. Ich weiß es, weil ich Thomas hatte. Und weil ich nach Thomas noch weitere solche Momente hatte – in denen ich zu lange wartete, zu viel hoffte, zu wenig aussprach. Übrigens viele der CEO's, die ich gecoacht habe, haben an den gleichen Symptomen gelitten.
Diese Erfahrungen sind der Grund, warum ich heute tue, was ich tue.
Nicht die Erfolge, nicht die Titel, sondern die Momente, in denen ich die falsche Entscheidung traf – oder die richtige zu spät. Ich bin kein Coach, der Ihnen erklärt, wie Mitarbeiterführung funktioniert. Ich bin jemand, der weiß, wie es sich anfühlt, wenn man es besser weiß – und trotzdem wartet. Und der heute die Frage stellt, die damals niemand gestellt hat:
„Was wissen Sie bereits – das Sie noch nicht ausgesprochen haben?"
Diese Frage ist unbequem. Sie ist es, weil die Antwort meistens schon da ist.
Wenn Sie gerade an jemanden in Ihrem Team denken – an eine Situation, die Sie kennen aber noch nicht ausgesprochen haben – dann ist jetzt der richtige Moment.
Schreiben Sie mir, wenn Sie Unterstützung wollen / brauchen, damit Sie diese Entscheidungen schneller und reflektierter treffen.
Ich bin IHR Unternehmerspiegel.





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